Diese Frage begleitet mich schon seit vielen Jahren.
Als Physiotherapeutin und Körpertherapeutin arbeite ich täglich mit Menschen, deren Körper von Gewohnheiten, Spannungsmustern, einseitigen Belastungen oder alten Verletzungen geprägt ist. Viele dieser Muster laufen unbewusst ab. Wir merken oft gar nicht mehr, wie wir stehen, gehen, atmen oder uns bewegen.
Als Reiterin und Pferdemensch hat mich deshalb irgendwann eine Frage besonders beschäftigt:
Wie trägt mich eigentlich mein Pferd?
Dabei geht es nicht nur um das Gewicht, das wir auf die Waage bringen. Pferde tragen viel mehr als das. Sie tragen unsere Bewegungen, unsere Balance, unsere Spannungen und manchmal auch unsere Unsicherheiten.
Der Körper reist immer mit
Vielleicht sitzt du viel am Schreibtisch, stehst überwiegend auf einem Bein, hast eine alte Verletzung oder hältst unbewusst Spannung in Schultern, Kiefer oder Becken.
All diese Muster nimmst du mit in den Sattel.
Dein Pferd spürt sie unmittelbar.
Es reagiert auf Gewichtsverlagerungen, auf Bewegungen des Beckens, auf Muskelspannung und auf die Art, wie du seine Bewegung begleitest oder unbewusst blockierst.
Ein guter Sitz beginnt nicht im Sattel
Viele Reiterinnen wünschen sich einen besseren Sitz. Oft wird versucht, diesen durch mehr Körperspannung oder bewusste Korrekturen zu erreichen.
Meine Erfahrung zeigt jedoch, dass ein guter Sitz selten durch mehr Anstrengung entsteht.
Er entwickelt sich dann, wenn die körperlichen Voraussetzungen stimmen:
- ausreichende Beweglichkeit
- funktionelle Stabilität
- gutes Körpergefühl
- freie Atmung
- die Fähigkeit, Spannung wahrzunehmen und zu regulieren
Was ich in meiner Arbeit immer wieder beobachte
Häufig begegnen mir Reiterinnen, die sich große Mühe geben, korrekt zu sitzen.
Gleichzeitig zeigen sich Einschränkungen, die sie selbst oft gar nicht wahrnehmen:
- ein festgehaltenes Becken
- eingeschränkte Hüftbeweglichkeit
- asymmetrische Belastungsmuster
- erhöhte Spannung im Schultergürtel
- flache Atmung
Das sind keine Fehler. Es sind Muster, die der Körper irgendwann gelernt hat.
Eine Frage, die sich lohnt
Beim nächsten Ausritt oder Training lade ich dich zu einer kleinen Reflexion ein:
Wie (er)trägt mich mein Pferd?
Wie fühlt sich mein Körper an?
Wo halte ich Spannung?
Kann ich die Bewegung meines Pferdes wirklich begleiten?
Denn manchmal beginnt die Veränderung für das Pferd genau dort, wo wir beginnen, uns selbst bewusster wahrzunehmen.




